Selbstbewusstseinstraining für Frauen*
1.
Wer ein größeres Selbstbewusstsein erlangen will, muss aufhören, sich
selbst zu entwerten.
Du bist zwar einzigartig, aber nicht was dein Äußeres, sondern vielmehr was
deine Seele betrifft.
Du wirst das Ziel nie erreichen, an oberster Spitze zu stehen und endlich die
Liebe und Anerkennung zu erhalten, die du dir wünscht.
Die Schönheit ist eine Falle. Der Schönheit hinterherzulaufen, macht uns von
vornherein zur Verliererin, und wenn wir über vierzig sind, bleiben wir so oder
so auf der Strecke - auch wenn uns freundliche Menschen auf neununddreißig
schätzen.
2.
Sei nachsichtig mit dir selbst.
... geh mit dir so um, wie mit deiner besten Freundin. Sag dir einfach: „Na
und? Wäre ja auch gelacht, wenn’s gleich auf Anhieb klappte.“
3.
Selbstbewusstsein wird durch das Gefühl, selbst wert zu sein, aufgebaut.
Wie wir gespiegelt werden, fühlen wir uns.
In der Regel fühlen wir uns in der ersten Zeit des Verliebtseins über alle Maßen
wertgeschätzt.
Bei den meisten Paaren schwindet die gegenseitige Wertschätzung im Lauf des
Zusammenlebens.
Die beste Freundin ist immer die, die dich wertschätzt - auch wenn du Mist
gebaut hast.
Es ist absolut möglich, ohne partnerschaftliche Liebesbeziehung durchs Leben zu
gehen.
Aber ohne von Freunden auf dem Lebensweg begleitet zu werden, halte ich für
außerordentlich schwierig, wenn nicht gar für unmöglich.
Ein Partner kann einem schnell abhanden kommen ....
4.
Mit dir selbst ins Reine kommen.
Ich will dir eine Frauenfreundschaft nicht aufschwatzen, aber ich möchte dich
dazu ermuntern, mit dir selbst als Frau ins Reine zu kommen und Frieden zu
schließen.
5.
Energiekiller raus schmeißen.
Entwertung ist der größte Energiekiller.
Es gibt Personen, bei denen genügt bereits der Gedanke an sie, und schon
fühlen wir uns schlecht. In der Regel handelt es sich um Menschen, die uns keine
Wertschätzung entgegenbringen, sondern durch die wir uns entwertet fühlen.
Sie zeichnen sich dadurch aus,
* dass sie immer alles besser wissen,
* nicht zuhören können und eigentlich
* an uns nicht besonders interessiert sind...
* dem Gegenüber keine Fähigkeiten zutrauen,
* negative Ereignisse voraussagen und
* grundsätzlich für die Zukunftsperspektiven schwarz sehen ...
* Frontalangriffe auf das Selbstbewusstsein ausüben,
* Demütigungen durch Zynismus sowie
* Blossstellen durch Lächerlichmachen praktizieren.
Auch Familienangehörige sind in dieser Hinsicht zu überprüfen. Deine Eltern
haben dafür gesorgt, dass du heranwachsen konntest. Erwarte keine weiteren
Dienste, kein besonderes Lob für Wohlverhalten, keinen Applaus für besondere
oder gar herausragende Leistungen aller Art. Wenn sie dir bis jetzt keine
Anerkennung gezollt haben, ist die Chance groß, dass sie sie dir auch zukünftig
nicht geben werden.
Suche dir Freunde, die das mütterliche und das väterliche Element in sich
tragen, die sowohl schwesterliche als auch brüderliche Qualitäten haben.
Schwieriger wird es bei jenen, die sowohl die Energie killen, aber sie ebenso
aufzuladen vermögen.
... wir sollten mit den Menschen, die es betrifft darüber sprechen. Nein,
natürlich nicht in Form einer Anschuldigung! Sondern beschreibend, wie wir ihr
Verhalten erleben, was es in uns auslöst.
Menschen, die in einer Sucht feststecken, sind Meister darin, uns aufzubauen
und später wieder in die tiefsten Tiefen der Selbstzweifel zu stürzen. Sie
können nicht anders. Wenn du nicht mehr da hinunter willst, dann verabschiede
dich von diesen Menschen.
6.
Wirf alles Hinderliche ab.
Geh durch dein Haus und miste aus.
Nur den höflichen Gästen, die sich deiner Hausordnung fügen, kannst du einen
Platz anbieten.
7.
Jene Menschen, von denen du dich energetisch aufgeladen fühlst, solltest
du dir besonders merken und sie so oft wie möglich treffen.
Wenn du dich stets mit Menschen umgibst, von denen du dich wertgeschätzt
fühlst, die dir einfach in der Art, wie sie mit dir umgehen, vermitteln: „Du
bist in Ordnung“, „Schön, dass es dich gibt“, dann wirst du mit der Zeit ein
untrügliches Gefühl dafür entwickeln, was dir gut tut.
8.
Bedanke dich bei der Schöpfungsintelligenz für alle Gaben, die du
erhalten hast.
Es ist sehr viel sinnvoller, sich für die Wohlgestalt und die Unversehrtheit
des Körpers zu bedanken, als ständig zu hadern, daran herumzukorrigieren und
unzufrieden zu sein.
9.
Ausstieg aus der Opferrolle und werde selbst Handelnde.
Zieh das Arme-Büsser-Hemd aus und besinne dich auf deine Fähigkeiten, deine
Intelligenz und deine Kraft.
10. Benutze deine Wut als Kraftquelle.
Diese Welt ist unbeschreiblich ungerecht. Frauen leisten 2/3 der Weltarbeit
und verfügen nur über ein Prozent des Weltvermögens.
Der gesamte afrikanische Kontinent mit seinen 800 Millionen Menschen wurde von
den Kolonialisten und ihren Nachfolgern von jeglicher wirtschaftlichen
Entwicklung abgeschnitten und dem Hungertod oder den westlichen Almosen
überantwortet.
Für afrikanische Staaten ist es leichter Waffenlieferungen als
Getreidelieferungen zu bekommen. (Almaz Böhm)
Lass in Anbetracht dieser absurden und ungerechten Welt, die hauptsächlich
Männerwerk ist, die Wut in dir emporsteigen, die dich zum Handeln treibt.
11. Suche die passenden Worte.
Es sind jene knochenharten Ich-will-Worte, jene unverschnörkelten Nein-Sätze,
jene glasklaren, richtungweisenden Kutscher-Flüche. Sie sind wie eine
motivierende Energiespritze, um das Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Lerne die Sätze: „Nein ich will nicht!“ und „Nein das mache ich nicht!“
auswendig.
12. Merke dir folgenden Satz:
„Wir haben dann Gleichberechtigung und Gleichstellung zwischen den
Geschlechtern erreicht, wenn in öffentlichen Ämtern und politischen
Spitzenfunktionen mindestens so viele unfähige Frauen wie heute Männer
anzutreffen sind.“ (Julia Onken)
13.
Vergiss nie, dass es nicht leicht ist, die mitleidheischende „Schau-mal-was-mir-angetan-wurde“-Haltung
aufzugeben.
Es ist wahrscheinlich nicht leicht auf das Mitleid anderer zu verzichten.
Mitleid kann wie eine Droge sein.
Sag dir: „Kein Wunder, schließlich hast du den Opfertext schon früh eingeübt. So
schnell lässt sich dieser Text nicht umschreiben.“
14.
Klopf dir auf die Schulter, wenn dir etwas geglückt ist.
„Dieser Erfolg freut mich sehr, er kommt für mich nicht unerwartet, ich habe
auch viel dafür gearbeitet.“
15.
Nimm deine Misserfolge unter die Lupe.
„Da habe ich einen Fehler gemacht, und das will ich mir nun genau anschauen.
Aber eines kann ich versprechen: Diesen Fehler mache ich kein zweites
Mal.
16.
Das Geheimrezept: Nichts fällt vom Himmel. Alles ist Knochenarbeit.
Wer ein Buch schreiben will, muss sich hinsetzen und es tun. Wer Künstlerin
werden will, muss seinem Talent eine Form geben.
Wer aus der Opferrolle aussteigen will, muss den Mitleidsentzug durchstehen.
17.
Erstelle eine Liste mit 7 positiven und 3 negativen Eigenschaften von dir.
Deine Stärken sind dein Kapital, und es lohnt sich, sich dieses Reichtums
bewusst zu werden.
Für deine negativen Eigenschaften erschaffe dir in der Phantasie ein Umfeld, in
dem diese zu positiven oder nützlichen Eigenschaften werden.
Alles ist nur eine Frage der Bewertung.
In einer anderen Umgebung können alle „negativen“ Eigenschaften zu positiven
Eigenschaften werden.
„Umdeuten“ heißt das Zauberwort!
18.
Vertraue deinen Gefühlen.
Vertrauen ist der Boden auf dem Selbstvertrauen entsteht. Schließlich ist das
auch ein Bündnis mit uns selbst, uns unverbrüchlich die Treue zu halten. Ein
Treuebruch gegen sich selbst ist der wirklich einzige Bruch, der sich verheerend
auswirkt und unter allen Umständen vermieden werden sollte.
19.
Versuche in dir die „innere Ofenbank“ zu finden.
Angenehme Bilder vom guten und sicheren inneren Ort können dir gute Dienste
leisten. Es kann die Erinnerung an einen schönen Urlaub oder ein phantasierter
Ort sein, den du gegen alle Störungen gut abgesichert hast.
20.
Wenn du mit deiner inneren Mitte in Kontakt kommst, wirst du ein tiefes Gefühl
des Einverstandenseins mit der Schöpfung erleben. Präg dir dieses Gefühl gut
ein.
Mit diesem Gefühl kannst du deine Gefühlswelt auf ihre wahre Gültigkeit
überprüfen lernen.
Du wirst sehen, dass es Dinge gibt, die sich absolut richtig anfühlen und auf
der inneren Ofenbank noch an Intensität gewinnen.
Andere Dinge oder Menschen oder Entscheidungen werden nicht zur Ofenbank passen.
21.
Beanspruche dein Territorium für dich.
Lerne diesen Satz auswendig: „Bis hierher und nicht weiter!“
22.
Das Leben ist das kostbarste Gut, das du besitzt, und du bist dafür voll
verantwortlich. Du hast es nicht bekommen um es verlottern und verwahrlosen zu
lassen.
23.
Wehrhaftigkeit und sexuelle Stimulanz für den Herrn vertragen sich schlecht,
deshalb gilt Aggression als unweiblich.
Hör auf deine Friedfertigkeit zu zelebrieren, wenn du aus der Opferrolle
aussteigen willst.
24.
Hör auf zustimmend zu lächeln, wenn Männer dumme Sachen sagen oder dumme Witze
erzählen.
Sei den Männern gegenüber ebenso kritisch, wie du es gegenüber Frauen bist.
25.
Boykottiere Fernsehprogramme, (Frauen-) Zeitschriften, Schnulzen, Romane und
dergleichen, die deinen Verstand beleidigen.
26.
Höre Musik, die dich aufrichtet.
Zum Beispiel den „Bolero“ von Maurice Ravel oder CCR.
27.
Trage Schuhe, die dir helfen mit den Füßen auf dem Boden zu stehen.
28.
Boykottiere das herrschende Schönheitsideal.
Verabschiede dich von sämtlichen Lächerlichkeiten, die als besonders weiblich
gelten und nur die Funktion haben, das männliche Geschlecht bei Laune und dich
von aller Intelligenz fern zu halten.
29.
Nimm deine Wut als Wegweiser, sie führt dich zu den vielen Kränkungen, die du
wegzustecken versucht hast.
Diese Kränkungen aufzuschreiben sind ein guter Weg den angesammelten Müll los
zu werden, damit du endlich frei wirst. Und du wieder frei über alles verfügen
kannst, was in dir angelegt ist.
30.
Die Chancen stehen 50 : 50, dass dein Partner sich über deine Entwicklung freut
oder dass er kalte Füße bekommt.
Manche Männer freuen sich über die Reifung ihrer Partnerin, weil sie dadurch aus
der Täterrolle entlassen werden.
Wenn sie sich nicht darüber freuen, dass ihre Partnerin ihr wahres Selbst
entdeckt und zur Entfaltung bringt, kann das, was er für dich fühlt, nichts
mit Liebe zu tun haben.
Es ist ein Gemisch aus Machtstreben, Besitzstreben und neurotischen Ängsten.
31.
Wenn du im Moment gerade vom Geld anderer Leute abhängig bist, weil du
arbeitslos bist oder studierst, dann schicke ein paar stille Worte des Dankes an
jene Menschen, die dir dieses Leben ermöglichen.
Das gibt dir mehr Freiheit als darüber zu jammern, dass es so wenig ist oder
„Vater“ Staat für dein Elend verantwortlich zu machen.
32.
Gib dir dein Ehrenwort, dass du dir nie mehr die Treue brichst, dass du immer zu
dir stehst. Und dass du dich liebst bis ans Ende deiner Tage.
33. „Träum deine Träume groß genug. Bis sie auf der Erde ankommen, sind sie eh kleiner geworden.“ (Indianisches Sprichwort)
Zum Abschluss die Anfangszeilen eines Gedichtes
von Nelson Mandela:
„Unsere tiefste Angst ist nicht,
dass wir ungenügend sind.
Unsere tiefste Angst ist,
dass wir über alle Maßen kraftvoll sind.
Es ist unser Licht - nicht unsere Dunkelheit,
was uns am meisten erschreckt.“
* Die angeführten Punkte stammen größtenteils wörtlich von Julia ONKEN, „Herrin im eigenen Haus. Weshalb Frauen ihr Selbstbewusstsein verlieren und wie sie es zurückgewinnen.“ C. Bertelsmann Verlag, München 2000, die Punkte 9, 22 und 25 stammen von mir selbst.