BUCHBESPRECHUNG
Ullstein Taschenbuchverlag 2000
ISBN 3-584-35912-4
Als Bond-Girl wurde sie über Nacht berühmt und fiel wieder zurück in die Anonymität. Doch ihr Leben als Kind einer Äthiopischen Nomadenfamilie hat ihr die Stabilität vermittelt, die sie als Model benötigte, wenn sie dem Modezirkus von Mailand nach Paris und von dort nach London und New York folgte.
Ihre eigentliche Berühmtheit erlangte Waris Dirie allerdings durch ihre Arbeit als Sonderbotschafterin der UNO, die sich gegen die Genitalverstümmelung von Frauen im islamischen Kulturkreis einsetzt. Ihr selbst wurden im Alter von 5 (!) Jahren die Klitoris und die äußeren und inneren Schamlippen von einer Zigeunerin unter unhygienischsten Bedingungen mit einer kaputten Rasierklinge verstümmelt und anschließend so eng zusammen genäht, dass sie nur mehr tröpfchenweise urinieren konnte und sich später ihr Monatsblut im Bauchraum staute.
Ihre Schwester, deren Genitalien ebenfalls als kleines Mädchen verstümmelt wurden, starb bei dieser Prozedur, wie tausende andere kerngesunde junge und lebensfrohe Mädchen.
Maris Diries Zorn gegen die Männer, die hinter diesen Ritualen stehen, ist nicht verwunderlich und leicht begründbar. Es geht dabei nicht um ein Ritual, das etwa der Koran vorsieht, sondern es geht lediglich um die Macht von Männern, die über ihre Frauen wie über ihren sonstigen Besitz verfügen und Angst vor der Kraft und Überlegenheit der Frauen haben, die das Rückgrad Afrikas sind und die meiste Arbeit verrichten.
Genauso, wie sie die Klitoris- und Schamlippenbeschneidung als einen aggressiven Akt männlicher Selbstsucht sieht, sieht sie auch die Kriege, Stammeskriege und Vergewaltigungen. „Vielleicht sollen wir den Männern die Eier abschneiden, damit aus meinem Land ein Paradies wird. Die Männer würden ruhiger werden und sensibler mit ihrer Umwelt umgehen.“ Diesen Satz (so atypisch er für das gesamte Buch ist) zitiere ich deshalb mit Vergnügen wörtlich, weil er auch für viele westliche Männer zutrifft, die Frauen demütigen, unterdrücken und es als verantwortungsvollen Job sehen, wenn sie als Söldner in fremde Länder ziehen um dort Menschen mit Waffengewalt ihren Willen aufzuzwingen, was sie dann „Friedenssicherung“ nennen.
Für Frauen bei uns ist es absolut lohnend diese Biografie von Waris Dirie zu lesen, weil sie anschaulich zeigt, wie stark und großartig eine Frau sein kann, wenn sie sich nicht von einem Mann schwach machen lässt.