Darstellung der 1. Sterbephase nach Elisabeth Kübler-Ross: NICHT-WAHRHABEN-WOLLEN
Typische Merkmale Beispiele typischer Äußerungen Wesentliches für die Begleitung
Schock Nein, nicht ich! Abwarten
„Verdrängen“ Ich bin wie gelähmt. Halt geben.
Leugnen Ich kann es nicht glauben. Für die Einhaltung von Eß-, sowie
Stimmungslabilität Mir nimmt es den Atem. Schlaf-Wach-Rhythmen sorgen.
Weinkrämpfe Das kann nicht wahr sein. Nicht widersprechen.
Ich will davonlaufen. Nicht die Hoffnungsspirale verstärken.
Suche nach dem Meine Gedanken kreisen nur um die Gesprächsbereitschaft zeigen.
Strohhalm Diagnose. Geduld haben.
Im Kreis denken. Ich bin starr vor Schreck. Mein Gegenüber versuchen zu verstehen.
Ich bin sprachlos.
Ich fühle mich ohnmächtig.
Ich bin wie in Trance.
Anregung für eine persönliche Auseinandersetzung:
Impulsfrage 1: Wie reagiere ich auf Situationen (Schicksalsschläge) in meinem Leben, die ich nicht persönlich herbeigeführt habe, denen ich mich nicht entziehen kann?
Impulsfrage 2: Was würde ich mir von meinen Mitmenschen wünschen, wenn ich mit der Diagnose einer möglicherweise tödlich verlaufenden Krankheit konfrontiert werde?
Impulsfrage 3: Was könnte mir helfen, um mich in der Sterbebegleitung der Phase des nicht-wahrhaben-wollens, und der emotionalen Instabilität bei meinem Gegenüber öffnen zu können?
Darstellung der 2. Sterbephase nach Elisabeth Kübler-Ross: AUFLEHNUNG
Typische Merkmale Beispiele typischer Äusserungen Wesentliches für die Begleitung
Wut Warum ich? Vorwürfe und Abwertungen nicht persönlich nehmen.
Zorn Meine Wut ist grenzenlos. Verständnisvolle Zuwendung – trotzdem!
Hass Alles geht mir auf die Nerven! Nicht werten. Aktives Zuhören.
Nörgeln Warum ist Gott so ungerecht? Nicht allein lassen. Zuwendung – gerade jetzt!
Kritisieren Warum habe ausgerechnet ich so ein Pech? Negatives nicht in sich einlassen – trotzdem da
Selbstanklage Ich würde am liebsten alles zerstören, Gott sein. Abgrenzen!
Verbitterung und die Welt und
mich selbst! Gesprächsbasis aufrechterhalten.
Ich werde es ihnen schon noch zeigen! Zuwendung statt Isolation – gerade
jetzt! .
Ich traue keinem mehr! Zornausbrüche nicht verurteilen.
Ich werde mich an keine Vorschriften Sich nicht in den Problemen des Patienten verfangen.
halten! Ich werde tun was mir Wünsche wahrnehmen.
passt – jetzt erst recht! Gesagtes ernst nehmen aber nicht persönlich nehmen.
Anregung für eine persönliche Auseinandersetzung
Impulsfrage 1: Wie reagiere ich auf eine für mich gefährliche Lebenssituation? Neige ich dazu, mich und mein Verhalten zu verurteilen (Selbstbeschuldigung) oder tendiere ich eher dazu, anderen die Schuld zu geben (Sündenbock-Suche)?
Impulsfrage 2: Neige ich dazu, Gefühle der Wut und des Zorns offen zu zeigen und auszuleben oder spielen sich die seelischen Kämpfe eher in meinem Inneren ab? (Überprüfen sie es an konkreten Beispielen!)
Impulsfrage 3: Welche Gefühle, Gedanken und Reaktionsweisen lösen negative Gefühlsregungen, Zornausbrüche und Aggressionen anderer Menschen in mir aus?
Darstellung der 3. Sterbephase nach Elisabeth Kübler-Ross: VERHANDELN
Typische Merkmale Beispiele typischer Äusserungen Wesentliches für die Begleitung
Hoffnungsvoll Ja, es trifft mich, aber … Hoffnung lassen, jedoch keine unrealistischen
Kooperativ Wenn Gott mich noch ein Jahr Illusionen wecken.
Aktiv leben lässt, erbt alles die Kirche. Strategien und Inhalte des Verhandelns nicht
Umgänglich Ich nehme alle Behandlungen auf mich, bewerten.
wenn ich nur so lange lebe, bis meine Wortbrüchigkeit nicht persönlich nehmen.
Kinder versorgt sind. Sensibel sein für die raschen Umschwünge.
Ich werde
alles tun was die Ärzte wollen, Stimmung heben. Abgrenzen.
wenn ich am Wochenende nach Hause Behandlungsalternativen unterstützen.
gehen darf. Alle Äußerungen
ernst nehmen, nichts belächeln.
Ich werde mich an alle
Vorschriften Den Patienten mit der „objektiven Wahrheit“ nicht
halten, wenn ich noch einen Sommer lang
überfordern.
leben darf. Positive Stimmungen unterstützen.
Anregung für eine persönliche Auseinandersetzung
Impulsfrage 1: Welche Verhandlungsstrategien sind mir aus meinem Leben bekannt? Welche konkreten Maßnahmen, Verzichte, Einschränkungen etc., bin ich bereit in die Waagschale zu werfen, um mein Ziel zu erreichen? (Konkrete Beispiele)
Impulsfrage 2: Stell dir vor, ein Patient hat die Erlaubnis für einen Spaziergang mit dir bekommen. Du hast dich sehr dafür eingesetzt. Der Patient gibt sich aber mit einem Spaziergang nicht zufrieden. Wie reagierst du? Wie gehst du mit seiner Wortbrüchigkeit um?
Impulsfrage 3: Ein Mensch hält nicht, was er versprochen hat. Welche Gefühle und Gedanken löst das in dir aus? Wie reagierst du? Welche Konsequenzen hat das für die Beziehung zu diesem Menschen?
Darstellung der 4. Sterbephase nach Elisabeth Kübler-Ross: DEPRESSION
Typische Merkmale Beispiele typischer Äußerungen Wesentliches für die Begleitung
Trauer, Tränen Ja, ich. Tränen und Trauer zulassen.
Rückzug Ich schaue zurück. Es wird mir bewusst, Nicht ablenken, nicht vertrösten.
depressive was alles nicht mehr sein kann. Körperkontakt. Da-Sein. Ruhe und Geduld.
Erstarrung Ein riesiger Tränensee ist in mir. Zeit für Gespräche und stilles Dabeisein anbieten.
Angst Ich möchte mit meinem Gewissen ins Verständnis aufbringen, dass es traurig ist, alles hinter
Sinnfrage Reine kommen. sich zu lassen.
Lebensbilanz Meine Gedanken
kreisen um alles, was Keine Wertung der Lebensbilanz.
ich in meinem Leben unterlassen habe. Hilfestellung bei Dingen, die noch
erledigt werden
Ich habe Angst vor dem, was auf mich können (Aussprachen, Testament,
Priester etc.)
zukommt. Es macht mich
hilflos, dem Tod ins Gesicht zu
Ich habe keine Zukunft mehr. schauen.
Ich möchte meine Glaubensfragen Respekt vor der individuellen Form des Abschied-
klären. nehmens.
Anregung für eine persönliche Auseinandersetzung:
Impulsfrage 1: Wieviele Abschiede hat es in meinem Leben schon gegeben, und wie habe ich sie gestaltet? („Meine persönliche Abschiedsgeschichte“)
Impulsfrage 2: Wenn ich auf mein Leben zurück schaue und die einzelnen Jahre an mir vorbeiziehen lasse: Was hat mein Leben bereichert, woran konnte ich mich freuen, welche positiven Ereignisse haben mich geprägt? („Bilanz meiner Freuden“)
Impulsfrage 3: Ich stelle mir vor, mein Leben neigt sich dem Ende zu. Ich ziehe Bilanz und überlege mir, welches Bild von mir, welche Eigenschaften, Handlungen und Erlebnisse der Nachwelt erhalten bleiben sollen. („Verfassen eines ‚eigenen’ Testaments“)
Darstellung der 5. Sterbephase nach Elisabeth Kübler-Ross: ANNAHME – EINWILLIGUNG - ZUSTIMMUNG
Typische Merkmale Beispiele typischer Äußerungen Wesentliches für die Begleitung
Friedlicher Ja, ich! Letzte Wünsche und Anweisungen festhalten.
Zustand Ich mache mir um das Morgen keine Zeit schenken.
Erschöpfung
Sorgen mehr.
Rückzug (= loslassen sozialer Bindungen) akzeptieren.
Gelöstheit Ich möchte die verbleibende
Zeit Körperkontakt (Hand halten, Berührungen zulassen)
große Sensibilität ohne Kampf und Schmerzen erleben. Mit
großem Einfühlungsvermögen „DA SEIN“
gesteigertes Ich möchte keine Besuche mehr haben.
Begegnung als Mitmensch.
Selbstvertrauen Ich empfinde eine heitere Gelassenheit. Auf
Wünsche eingehen (z.B. religiöser Beistand)
Ich wünsche mir einen Menschen, Einbeziehen der Bezugspersonen
der still
bei mir ist. Begegnung als Mitmensch.
Ich möchte nicht in Vergessenheit Wissen um die besondere
Sensibilität des Sterbenden.
geraten.
Der Tod ist nicht mehr mein Feind,
er ist mein Lehrmeister.
Anregung für eine persönliche Auseinandersetzung:
Impulsfrage 1: Welche Vorstellungen und Wünsche habe ich, wenn ich an mein eigenes Sterben denke? Welche äußeren Bedingungen wünsche ich mir, und welche Menschen möchte ich in der letzten Phase meines Lebens bei mir haben?
Impulsfrage 2: Wenn ich an mein Sterben, an meinen Tod denke: Was macht mir Angst und welche Möglichkeiten habe ich, mit dieser Angst fertig zu werden?
Impulsfrage 3: In der Begleitung von Sterbenden kommt es nicht nur auf meine fachliche Kompetenz an, sondern gerade auch auf meine menschlichen Qualitäten. Wo liegen meine Stärken, was kann ich besonders gut in der Begleitung schwerkranker Menschen?