BUCHBESPRECHUNG

 

Das Orangenmädchen.

Jostein Gaarder

Carl Hanser Verlag, München Wien 2003

ISBN 3-446-20344-4

 

 

Ein reizendes Buch, das den fiktiven Brief eines Vaters –  der vor 11 Jahren verstorben ist –  an seinen Sohn enthält. Der Sohn schreibt die Rahmengeschichte, die Geschichte seiner ersten Liebe und erfährt im Brief des Vaters von dessen großen Liebe zum Orangenmädchen.

 

Die Idee ist wunderbar und sollte zur Nachahmung anregen. So oft leben Menschen ihrem Tod entgegen und können ihren Liebsten so vieles nicht sagen, entweder weil sie sprachlos sind oder wie im Fall der vorliegenden Geschichte, der geliebte Sohn mit vier Jahren noch zu klein ist, um die Gedanken seines Vaters zu verstehen.

 

Der Brief ist aber auf den ersten Blick fiktiv, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass ein todkranker Mensch so langwierig und ausschweifend schreibt, wenn er weiß, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat und seine Kräfte zu Ende gehen.

 

Nichts desto trotz, ist das Buch gerade für Jugendliche lesenswert, die ihren Eltern viele Fragen stellen möchten, dann aber doch an der unsichtbaren Generationenschranke abprallen. Ebenso ist es empfehlenswert für kranke Menschen, die ihren Nachkommen eine Geschichte von sich selbst überlassen möchten. Sie können sich von Gaarder inspirieren lassen.

 

Über den unmittelbaren Bezug hinaus, erinnert mich dieses Buch auch an ein AIDS-Projekt in Afrika, das die Eltern, die ihrem Tod entgegen leben dazu anregt, ihren Kindern ein Vermächtnis zu hinterlassen, das sich entweder auf Gedanken über das Leben bezieht oder sie mit den Ahnen bekannt macht oder den Waisen einfach übermittelt, wie sie ihre Felder bestellen sollen. Dieses Projekt wird vom schwedischen Schriftsteller Henning Mankel international propagiert und gibt tausenden unter den Millionen afrikanischer Waisenkinder eine Orientierung für eine elternlose Zukunft.