BUCHBESPRECHUNG
Mit einem Memory Book von Christine Aguga
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2004
ISBN 3-552-05297-6
Der Reingewinn für den Verkauf dieses Buches geht an Plan
International Deutschland e.V., einer Organisation, die mit HIV/AIDS-betroffenen
Familien in Uganda arbeitet.
Der schwedische Schriftsteller Henning Mankell ist ein guter Kenner Afrikas und widmet einen großen Teil seiner Zeit dem Kampf gegen AIDS bzw. dessen Folgen. In Uganda unterstützt er das Projekt der Memory Books von Plan International.
Diesem Projekt kommt daher so große Bedeutung zu, weil in Uganda die große Gefahr besteht, dass eine ganze Generation reifer Erwachsener, d. h. die Väter und Mütter der kleinen Kinder durch Aids ausstirbt. Nur die Alten und die ganz jungen bleiben über. Aber auch die ganz jungen Mädchen sind in Gefahr, weil der Aberglaube besagt, dass eine Heilung von Aids möglich wäre, durch den Geschlechtsverkehr mit Jungfrauen. Da man nie sicher wissen kann, ob ein sexuell ausgereiftes Mädchen noch Jungfrau ist, werden immer kleinere Kinder vergewaltigt und ebenfalls infiziert.
Durch die Memory Books erhalten todgeweihte Väter und Mütter die Möglichkeit ihren Nachkommen ihre Familiengeschichte, Berichte über die Familienbräuche und persönliche Erinnerungen und Lebensweisheiten zu überliefern. Über die Memory Books können sie ihrem Kind auch Erinnerungen an seine Geburt, den ersten Schultag und sonstige Lieblingserinnerungen hinterlassen.
Im genannten Buch ist auf ca. 40 Seiten das Memory Book von Aguga Christine, einer afrikanischen Lehrerin abgedruckt, deren Mann und dessen Zweitfrau bereits an AIDS verstorben sind. Sie selbst hat ihre Kinder der Obhut ihrer Eltern anvertraut und versucht ihrer Tochter auf diesem Weg ihr Wissen und ihre Lebenserfahrung zur Verfügung zu stellen.
Der Bericht von Henning Mankell, wie er Christine und deren Tochter Aida kennen lernt, war auch für mich, die ich kein Mankell-Fan bin, sehr berührend. Aida zeigt ihm vertrauensvoll, wie sie an einem heimlichen Ort eine Mangopflanze aufzieht, umzingelt von einer Welt in der alles durch Krankheit, Tod und Trauer bedroht ist.
Darüber hinaus, lässt sich Henning Mankell von den aktuellen Eindrücken in Afrika, immer wieder in seine eigenen Kindheitserinnerungen zurückführen.